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4. Kammerkonzert: Kapriolen und Miniaturen

Lübeck: Das 4. Kammerkonzert der Lübecker Philharmoniker bot Raritäten, Kapriolen und Miniaturen für seltene Besetzungen. Erfreulich war das große Interesse daran: Der Saal des Hoghehuses mit seiner kristallklaren Akustik war nahezu ausverkauft bei Werken für Fagott, Viola und Violoncello. Und vier Musici belegten mit Werken vom 17. bis zum 21. Jahrhundert den hohen Standard des heimischen Klangkörpers.

In Piècen aus Telemanns „Partie Polonaise“ für zwei Violen und Violoncello boten Bennet Ortmann, Elisabeth Fricker (Viola) und Noelia Balaguer Sanchis (Cello) gravitätischen Barock. In George Benjamins „Viola, Viola“ für zwei Violen befeuerte sich das 1. Bratschen-Pult der Philharmoniker gegenseitig in technisch anspruchvollsten Passagen zur Höchstleistung. Und Fricker ließ ironisch eine Zugverspätung bei Graingers „Arrival Platform Humlet“ erleben. Bei Astor Piazzollas „La Calle 92“ stürzten sich der famose Ortmann und Sanchis in stimmungsvolle rhythmische Kapriolen und mit Beethovens „Duett mit zwei obligaten Augengläsern“ in (zumal des Cellos) tonschöne Heiterkeit.

Höchst selten ist Kammermusik für Fagott. Dass sie sich über die Maßen lohnt, stellte Johannes Stefaniak unter Beweis – und auch, welch souveräner Virtuose er auf diesem Instrument mit dem eigenwilligen „Bauchgefühl“ ist. Lustig polternd ging es zu in Felice di Giordanis melodischem Duo mit Viola, wobei sich Fricker zartes Kontra gab. In vier Solo-Petitessen aus Werner Heiders „September Wege“ ließen sich besonders gut die Atemtechnik und das Tiefgründeln verfolgen.

Zum Höhepunkt wurde das abschließende Quartett für Fagott, zwei Violen und Violoncello von Franz Krommer (1759-1831). Klassisch geprägte böhmische Musizierlust erfreute hier als eine Einheit, in der dem Fagott die Melodiestimme zukam. Den hohen technischen Anforderungen entsprach Johannes Stefaniak mit lupenreinen Läufen und Trillern. Seiner wie selbstverständlichen Virtuosität folgten die drei Streicher in vier romantisch bewegten Sätzen mit ebensolcher Spielfreude, wobei Ortmann, wie auch bei den anderen Werken, stets die Fäden in der Hand hielt.

Konzertdramaturg Dr. Jens Porath hatte einmal mehr anschaulich Komponisten und Werke vorgestellt und auf die kommenden Kammerkonzertwanderungen in div. Innenstadt-Locations hingewiesen. Die Pause war länger als anderswo, da viele Besucher das Getränkeangebot hier nutzten. Und so wurden Beethovens „Augengläser“-Duett in Es-Dur begleitet vom Klirren eines umfallenden Weinglases in Trink-Dur.

Die Lübecker Philharmoniker waren zum 4. Kammerkonzert im Hoghehus zu Gast. Foto: Olaf Malzahn

Die Lübecker Philharmoniker waren zum 4. Kammerkonzert im Hoghehus zu Gast. Foto: Olaf Malzahn


Text-Nummer: 156114   Autor: Güz.   vom 14.01.2023 um 12.47 Uhr

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