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4. NDR-Konzert: Dirigentin neuen Typs

Lübeck: Spieluhren, auf deren Zinnen eine zierliche Frau stand und den Takt schlug, gab es zu Dvoraks Zeiten nicht wenige. Daran erinnert Erina Yashima – als Tochter japanischer Eltern in Heilbronn geboren und beim Philadelphia Orchestra gereift – im 4. Konzert mit dem NDR-Elbphilharmonie Orchester in der MuK. Und mit ihrer Präzisions-Schlagtechnik kam sie wie der Shinkansen-Express im fernen Nipon binnen Sekunden auf höchste Betriebstemperatur.

Yashima ist eine Dirigentin neuen Typs, die total ins 21. Jahrhundert passt. Sie überlässt nichts dem Zufall, hat die Partitur stets ebenso fest im Blick wie den Taktstock in der Hand. Das ließ sie gleich eingangs bei „Ramal“ von Kareem Roustom (*1971) erleben, der hier für Barenboims East-Western Divan Orchestra ein arabisch-europäisches Werk geschrieben hat. Vielgestaltige Achtel-Takte und ungemein viele Noten beunruhigen den Hörer einerseits, zum anderen bannt ihn die klagende Energie, die die Interpreten hier äußerst kompress vermittelten.

Ebenso ein Werk des Übergangs ist „Schemolo“ von Ernest Bloch. Diese bekannte, vor hundert Jahren entstandene „Hebräische Rhapsodie für Violoncello und Orchester“ war bei Pablo Ferrández in besten Händen. Der junge spanische Solist ging volles Risiko in der Tongebung, was nicht leicht war in der Abstimmung mit Yashima. Der Tutti-Klang muss durchaus nicht immer so massiv sein. So fiel das Werk auseinander und wurde die Emotion sehr veräußerlicht. Anrührend die Soli von Paulus van der Merve (Oboe) sowie die nahezu verinnerlichte Bach-Zugabe von Ferrández.

Antonin Dvoraks 5. Sinfonie beschloss den Abend ohne Tempolimit. Erina Yashimas Ordnungsprinzip sorgte für einen klaren Ablauf und ließ einen Tutti-Dienst nach Vorschrift erleben. Böhmischem Kolorit wurden hier gar kräftige Farben beigemischt, das Andante huschte ganz ohne Harm vorüber, und das Finale geriet so überkompakt, dass sich das beeindruckte Publikum mit großem Beifall bedankte. Der Rezensent, mit dem Gemüt und den Erfahrungswerten des 20. Jahrhunderts belastet, ging nicht so zufrieden heim.

Erina Yashima dirigierte am Freitagabend das 4. NDR-Konzert in der Lübecker MuK. Foto: Todd Rosenberg

Erina Yashima dirigierte am Freitagabend das 4. NDR-Konzert in der Lübecker MuK. Foto: Todd Rosenberg


Text-Nummer: 156243   Autor: Güz.   vom 21.01.2023 um 11.02 Uhr

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