Possehl-Stiftung Lübeck
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4. Sinfoniekonzert: Energisch und titanisch

Lübeck: Archiv - 17.12.2023, 18.05 Uhr: Im 4. Sinfoniekonzert schenken die große Geigerin Viktoria Mullova, GMD Stefan Vladar und die Lübecker Publikum zu Weihnachten zwei große Werke: das 1. Violinkonzert (1947) von Dmitri Schostakowitsch und die 1. Sinfonie „Titan“ (1889) von Gustav Mahler. Beide Wiedergaben wurden im erfreulicherweise sehr gut besuchten Sonntagskonzert in der MuK mit Ovationen bedacht – besonders die Interpretation der großen Geigerin war hier ein Ereignis.

Und das wird es auch im Montagskonzert sein. Denn die vor vier Jahrzehnten aus der Sowjetunion geflohene Mullova, Vladar und „unser“ Orchester bieten eine Wiedergabe des Schostakowitsch-Werks, wie sie hier noch nicht gehört wurde, und die sich messen kann mit Referenzaufnahmen. Die Solistin, im roten Hosenanzug, lässt vom ersten Einsatz keinen Zweifel daran, dass sie auch von dem großbesetzten Orchester höchstes Niveau erwartet. So findet sich Vladar in einem Spannungsfeld, das er hier souverän beherrscht. Es beginnt mit tragischen Reminiszenzen an den Krieg: Mullova haucht die Flageoletts, geht über zum grimmigen Scherzo mit gerissenen Staccati und in ein friedlich-harmonisches Andante, in dessen Kadenz die Solistin erst fein ziseliert und dann zwitschert – um im Finalsatz in einem wilden Vivacissimo zu enden. All das ist von einer atemberaubenden Präzision im Feinen wie im Kraftvollen. Anderes als eine sinnende Bach-Zugabe kann es darauf nicht geben...

Mahlers 1. Sinfonie ist noch größer besetzt: Allein sieben Hörner brausen hinauf zum „Titan“ und in einen Weltenklang, wie ihn der Komponist in dem ihm eigenen Überschwang entwickelte. Erst singt ruhig das Baß-Solo (Stanislav Efaev) hin zum Fagott-Solo (Jakob Meyers) und Oboe-Solo (Ukko Pietilä a. G.) – und dann wogt Mahlers Suche nach dem Guten, Wahren, Schönen im Leben mit Inbrunst durch das Orchester. Großen Anteil daran haben vor allem die Hörner; an ihrer Spitze, nun auch als Gast, Claudius Müller (Furtwängler-Preisträger 2010). Vier Sätze der Emotionen dringen tief ins Gemüt der Hörer... Stefan Vladar, die große Partitur stets im Blick, zeigte sich im Sonntagskonzert etwas mehr als Koordinator denn als Gestalter. Zwei Werke dieses Kalibers in einem Programm sind ja auch eine riesige Herausforderung. Da braucht es bei Mahler noch einen Tag der Reife – so große Sinfonien, zeigt die Erfahrung, werden mit jeder Aufführung besser.

Also auf ins Montagskonzert (18. Dezember, 19.30 in der MuK). Und es warten noch das Weihnachtskonzert (am 25. Dezember um 18 Uhr im Großen Haus dirigiert Takahiro Nagasaki ein feines Programm) sowie das Neujahrskonzert (am 1. Januar um 18 Uhr in der MuK reist Lübeck mit Stefan Vladar nach Wien).

Viktoria Mullova begeisterte das Lübecker Publikum. Foto: Heike Fischer

Viktoria Mullova begeisterte das Lübecker Publikum. Foto: Heike Fischer


Text-Nummer: 163176   Autor: Güz.   vom 17.12.2023 um 18.05 Uhr

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