Possehl-Stiftung Lübeck
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Ein Geschenk der Philharmoniker zu Weihnachten

Lübeck: Archiv - 26.12.2023, 17.52 Uhr: Die Tradition des Weihnachtskonzerts des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck ist noch kurz – und schon ein großer Erfolg: Am 1. Feiertag war das Große Haus wieder gefüllt mit einem erwartungsvollen Publikum, das regelrecht verwöhnt wurde. Was Takahiro Nagasaki, Erster Kapellmeister und stellvertretender GMD, an Programm zusammengestellt hatte und nun dirigierte, war ein klingendes Weihnachtsgeschenk.

Dabei zeigten sich Nagasaki ebenso als Kenner des deutschen Barock wie von romanischen Raritäten, das Orchester in Hochform und der durch Krankheit auf kaum Kammerchorstärke geschrumpfte Chor von bestechender Klarheit: Michael Krüger hatte sieben Frauen- und sechs Männerstimmen (letztere mit zwei Last-Minute-Gästen aus dem Opernstudio) in kürzester Zeit zu großer Leistung geführt.

Der erste Teil des frühen Abends war Bach und Händel gewidmet. Gleich fesselte die Ouvertüre zur „Feuerwerksmusik“ mit hell schmetternden Trompeten und philharmonischem Streicherton und ging über in zwei „Glorias“: Das erste aus der Bach-Messe BWV 236 stellte der Chor klar in den Raum, das zweite von Händel zwitscherte Andrea Stadel mit ihrem Opernsopran ebenso rein wie der Chor einen weiteren Bach-Satz (aus der Messe BWV 233) gestaltete.

Höhepunkte vor der Pause: Vier Weihnachtslieder im Wechsel vom Chor a cappella und Sopran, die im „Alleluja“ aus Bachs „Jauchzet Gott in allen Landen“ gipfelten: Was Andrea Stadel in diesem Kantaten-Solo an Koloraturen-Feuerwerk bot, zeigte ihr immenses Können und brachte ihr hochverdiente Bravo-Rufe ein. Und im Air aus Bachs 3. Orchestersuite entwickelte Nagasaki – erneut präzise vom Cembalo aus leitend – durchhörig aus der Stille heraus ein eindringliches Crescendo.

Auf Entdeckungsreise und emotional ging es nach der Pause. Die „Farandole“ aus Bizets beliebter 2. Arlesienne-Suite hat ihr Vorbild in einem provencalischen Marschlied – das der Chor sang, ehe Nagasaki den Satz im Orchester zum Glühen brachte und das Intermezzo aus dieser Suite in einer Vokalversion vorstellte; Emorfia Metaxaki sang dieses „Agnus Dei“ mit hochaufsteigendem Sopran und Inbrunst. Ein weiteres „Agnus dei“ folgte: In Puccinis „Messa di Gloria“ verbanden sich Gustavo Eda Mordentes sanfter Tenor und Lino Ackermanns warmer Bariton.

Vier Intermezzi aus Opern bildeten das Finale dieses in ganz kurzer Zeit so souverän und stimmig erarbeiteten Programms. Nagasaki ließ jene aus Puccinis „Manon Lescaut“ und Mascagnis „Guglielmo Ratcliff“ schmachten, dann die Mondscheinmusik aus Richard Strauss' „Capriccio“ atmen und schließlich das zum „Ave Maria“ bearbeitete Intermezzo aus Mascagnis „Cavalleria rusticana“ himmlisch werden: Gustavo Eda Mordente legte alle seine Emotionen und seinen Schmelz hinein, daß es wie eine Bescherung wirkte. Mit den vielen feinen Soli – so von Matthias Krebber (Trompete), Waldo Ceunen (Flöte), Ukko Pietilä (Oboe), Johannes Borck (Horn), Tzu-Jen Chu (Violine), Christopher Sandberg (Viola) und Hans-Christian Schwarz (Violoncello) – war das ein Weihnachtskonzert, das die feine Handschrift von Takahiro Nagasaki trug und das Publkum ebenso bannte wie begeisterte.

Das Weihnachtskonzert begeisterte das Publikum. Foto: Theater Lübeck

Das Weihnachtskonzert begeisterte das Publikum. Foto: Theater Lübeck


Text-Nummer: 163318   Autor: Güz.   vom 26.12.2023 um 17.52 Uhr

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