Possehl-Stiftung Lübeck
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Es führt ein Weg nach nirgendwo: Radweg-Pläne nach Ratekau gescheitert

Lübeck - Travemünde: Archiv - 09.01.2024, 10.09 Uhr: Wer über die geplante Radweg-Verbindung zwischen Warnsdorf (Gemeinde Ratekau) und Teutendorf (Hansestadt Lübeck) spricht, muss in Jahrzehnten denken. Anfang der 1990er Jahre, also noch weit vor der Jahrtausendwende, hatten die Ratekauer auf ihrer Seite den Weg fertiggestellt. Über das kleine Teilstück auf Lübecker Grund und Boden wurde immer mal wieder gesprochen, aber nie etwas umgesetzt. Jetzt scheinen die Pläne endgültig gescheitert.

Im Laufe der Jahre kletterten die projektierten Baukosten für den zweieinhalb Meter breiten Weg (inklusive Grundstückskauf) von 257.000 Euro (2008) auf 800.000 Euro (2023). Doch am Geld lag es offenbar nicht. Die Eigentümerin will laut Stadt gar nicht verkaufen.

Bernhard Simon (CDU) hatte jüngst im Wirtschaftsausschuss noch einmal nachgefragt: „Für den (Aus-) Bau des Radweges Teutendorf – Warnsdorf benötigt die Stadt bisher landwirtschaftlich genutzte Flächen“, heißt es in der Anfrage des Politikers. Dem Eigentümer solle jedoch ausschließlich ein Kauf angeboten worden sein, obwohl der potenzielle Verkäufer einen Flächentausch wünsche, da dies für ihn die wirtschaftlich sinnvollere Lösung sei. „Hier soll bisher keine Einigung erzielt worden sein“, so Simon in seiner Anfrage. Wie denn der Stand der Dinge beim längst beschlossenen Ausbau des Radwegenetztes sei. Und wie das „geplante weitere Vorgehen, um hier zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen?“

Jetzt liegt die Antwort der Verwaltung zum „Lückenschluss des Radwegs zwischen Teutendorf und Warnsdorf“ vor. „Es ist richtig, dass der Eigentümerin der Fläche lediglich ein Kaufangebot gemacht wurde“, bestätigt die Verwaltung. Die Eigentümerin hätte das Angebot allerdings abgelehnt und stattdessen einen Flächentausch vorgeschlagen. „Es gibt im Umkreis jedoch keine geeignete städtische Fläche, die für einen Tausch in Frage kommt“, so die Auskunft der Lübecker Verwaltung. Man hätte daher den Ankauf anderer, weiter entfernt liegender landwirtschaftlicher Flächen geprüft, um diese dann zu tauschen. Im Umkreis hätte die Stadt allerdings nichts passendes ausfindig machen können. „Mit der Eigentümerin wurden diesbezüglich mehrere Gespräche geführt. Auf ihren Wunsch hin wurde der Radweg in der Planung auf die andere Straßenseite verlegt, so dass die Radfahrer zweimal die Straße kreuzen müssten.“

Am Ende scheint das Jahrzehnte alte Projekt trotzdem gescheitert: „Der Bereich Wirtschaft und Liegenschaften hat mit dem Bereich Stadtgrün und Verkehr zusammen nunmehr alle Möglichkeiten ausgelotet, ohne dass eine Fläche gefunden werden konnte. Sofern die Eigentümerin nicht auch einen Kauf als Kompensation für die Flächenhergabe in Betracht zieht, sieht der Bereich Wirtschaft und Liegenschaften keine Möglichkeit, die für den Radweg benötigte Fläche zur Verfügung zu stellen“, heißt es abschließend von Seiten der Lübecker Verwaltung.

Es bleibt ein Radweg von Ratekau (Warnsdorf) nach Lübeck (Teutendorf), der auch nach mehr als einem Vierteljahrhundert immer noch auf halber Strecke endet. Was ein wenig nach einem Kandidaten für den „Realen Irrsinn“ klingt – sofern man noch Leute findet, die sich überhaupt an die Anfänge erinnern.

Auf Lübecker Stadtgebiet endet der gut ausgebaute und sichere Ratekauer Radweg. Auch nach Jahrzehnten scheiterte der „Lückenschluss“ zur Hansestadt. Foto: Archiv/HN

Auf Lübecker Stadtgebiet endet der gut ausgebaute und sichere Ratekauer Radweg. Auch nach Jahrzehnten scheiterte der „Lückenschluss“ zur Hansestadt. Foto: Archiv/HN


Text-Nummer: 163501   Autor: Helge Normann   vom 09.01.2024 um 10.09 Uhr

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