Klavierduo Oskar bannt sein Publikum

Lübeck: Sie haben sich bei Prof. Konrad Elser in der Musikhochschule Lübeck den letzten Schliff geholt, 2022 den Possehl-Musikpreis gewonnen und sind nun schon auf dem Weg nach ganz oben: Susanna de Secondi und Elias Opferkuch, die das „Klavierduo Oskar“ bilden und mit einem Konzert an zwei Flügeln im Kleinen Saal der MuK ein erfreulich großes Publikum begeisterten.

In der Reihe „Neue Horizonte“ waren erneut die Musik- und Orchesterfreunde an der Reihe. MOF-Vorsitzender Frank Maximilian Hube stellte das Duo vor und wies darauf hin, dass diese Reihe vor allem darauf setze, mit Moderation wieder mehr Menschen für Musik zu interessieren. Hier nun wechselten sich de Secondi und Opferkuch darin ab, führten kundig in Komponisten und Werke ein bei ihrer Reise durch exemplarische Duo-Literatur mit dem Unteritel „con:fusion“, was zugleich Verschmelzung und Verwirrung bedeutet.

Gleich bei Schostakowitsch Concertino op. 94 von 1954 begann der Dialog mit Opferkuch-Donner und feiner de Secondi-Antwort. Sie verzahnten sich in eilender Erzählung, drifteten auseinander im melodischen Grimm des Komponisten. Welch ein Kontrast zur „Erbarme dich“-Arie aus Bachs Matthäus-Passion in einer Adaption durch Greg Anderson: Opferkuch tastete schlicht die Melodie, de Secondi tupfte fein den Kontrapunkt, die Rollen wechselten und alles verklang in Sanftmut.

Konfusionen bot besonders das Konzert für zwei Klavier von Poulenc. Was hier an Tradition und (Unterhaltungs)Moderne aufeinandertrifft, lässt zwei Könner sich aneinander reiben und bot dem Duo alle Gelegenheit, schroffe Läufe gegen glitzernde Passagen auszuspielen, im Larghetto Mozart zu zitieren und endlich zwanzigfingrig ein Synkopengewitter loszulassen.

Welch höchste Virtuosität vierhändig zu erreichen ist, zeigten beide „Oskars“ mit Lutoslawskis Variationen über Paganinis berühmtes „La Campanella“: Was auf der Violine ein Drahtseilakt ist, bedeutet hier rasenden glitzenden Diskant – den das Duo wunderbar weich auffing mit Mozarts Klaviersonate KV 595, der Grieg ein zweites Piano hinzugefügt hat. Allerdings gleitet das etwas ins Banale, dem beide Pianisten mit einer zweiten Bearbeitung einer Matthaus-Passion-Arie begegneten, deren fließende Bewegung nachdenklich stimmte.

Rachmaninoffs Suite Nr. 2, als „Königswerk der Gattung“ bezeichnet, beschloss den Abend: Alle Kraft im Führungswechsel der „Alla Marcia“-Einleitung, das Presto im schwindlig machenden Presto-Walzer, slawische Träumerei in der endlos rhapsodierenden Romance, endlich die Presto-Donnergriffe der Tarantella – alles eindrucksvoll und bravourös gemeistert. Starker Beifall zeigte: Das Duo ist in Lübeck angekommen.

Susanna De Secondi und Elias Opferkuch bekamen viel Beifall. Foto: MHL

Susanna De Secondi und Elias Opferkuch bekamen viel Beifall. Foto: MHL


Text-Nummer: 163976   Autor: Güz.   vom 03.02.2024 um 16.32 Uhr

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