Bürgerinitiative will Gehör bei neuen Parkverboten

Lübeck: Rainer Würtz wohnt in der Blücherstraße und engagiert sich jetzt in einer sich formierenden Bürgerinitiative, die bei der Neuordnung der Parkregelungen vor ihrer Haustür wenigstens angehört werden möchte. „Jahrzehntelang wurden die bisherigen Regelungen geduldet, plötzlich kamen dann neue Schilder und eines Morgens hatte jeder von uns, der so geparkt hat wie immer ein Ticket über 55 Euro an der Windschutzscheibe kleben“, beklagt er.

Rechtlich sei das nicht zu beanstanden, räumte Rainer Würtz ein, aber man hätte seiner Meinung nach durchaus einmal mit der Behörde nach sinnvollen Alternativen suchen können.

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Rainer Würtz wohnt in der Blücherstraße und engagiert sich jetzt in einer sich formierenden Bürgerinitiative, die bei der Neuordnung der Parkregelungen vor ihrer Haustür wenigstens angehört werden möchte.

Das ist aber in der Tat in Lübeck nicht so einfach. In einer öffentlichen Sitzung der FDP-Fraktion in der Lübecker Bürgerschaft kamen interessierte Bürger, Kommunalpolitiker und Vertreter der Lübecker Verwaltung zusammen, um die sich verschärfende Situation um den ruhenden Verkehr in Lübeck zu erörtern. Sachlich und ohne gegenseitige Vorwürfe wurden dabei die besonderen Schwierigkeiten deutlich, die die derzeitige Lage in der Hansestadt kennzeichnen.

Lübeck ist Weltkulturgut mit mittelalterlicher Prägung, besonders was die Strukturen des Straßengrundrisses angeht. Die Kraftfahrzeugzulassungen wachsen, die Autos werden dabei immer größer, gewaltiger und klobiger. Vor diesem Hintergrund wollen Autofahrer Parkraum, nach Möglichkeit vor ihrer Haustür, Radfahrer wollen breite Radwege und Fußgänger reklamieren mit Recht ausreichend Platz für Kinderwagen, Rollatoren und radelnden Nachwuchs, der die Gehwege benutzen können muss, ohne dabei die Seitenspiegel der parkenden Autos abzufahren.

Barbara Wenzel vom Bereich Stadtgrün und Verkehr gab dazu einen ausführlichen Einblick in die Post, die sie zu diesem Thema täglich erreicht. Diese Ansprüche gleichzeitig zu befriedigen ist in vielen Bereichen der Altstadt, aber auch in Teilen der Vorstädte nicht zu erreichen, führte sie weiter aus. Behörde und Bürger laufen nun mit Zollstock und Maßband die schmalen Straßen ab und suchen nach sinnvollen Aufteilungen. Wichtigstes Element dabei ist die Feuerwehr. Wenn die nicht mehr durchkommt, entsteht eine unmittelbare Gefahrenlage, die die Behörde zwingt, sofort Schilder aufzustellen.

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Barbara Wenzel vom Bereich Stadtgrün und Verkehr gab dazu einen ausführlichen Einblick in die Post, die sie zu diesem Thema täglich erreicht.

Katja Mentz von der GAL, die bei den Liberalen zu Gast war, schilderte ein dramatisches Beispiel aus der Percevalstraße, als sie beobachten konnte, dass die Einsatzwagen kaum zwischen parkenden Sprintern und SUVs zum Brandherd kamen.

Tobias Zschoche und Christian Stolte vom Bereich Stadtplanung gaben ein weiteres Problem zu bedenken. „Wo soll die Reise hingehen?“, fragten sie in die Runde. Da nicht alle Ansprüche gleichzeitig befriedigt werden können, muss ein Schwerpunkt festgelegt werden, nach welchen Prämissen der städtische Raum in der Zukunft entwickelt werden soll.

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Tobias Zschoche und Christian Stolte vom Bereich Stadtplanung gaben ein weiteres Problem zu bedenken. „Wo soll die Reise hingehen?“

Was die Autofahrer und den ruhenden Verkehr betrifft hatte man als Experten Dr. Ralph Bruns von der KWL geladen, die unter anderem Parkflächen und Parkhäuser für Autos und Fahrräder für die Hansestadt Lübeck bereitstellt und bewirtschaftet. Der hat das Problem, dass sich die Gestehungskosten für derartige Einrichtungen in den letzten zehn Jahren schlicht verdoppelt haben. Von daher erteilte er dem oft vorgebrachten Vorschlag von sogenannten Quartiersgaragen eine Absage. Die Preise, die man dafür nehmen müsste, wären für den Verbraucher schlicht nicht darstellbar, argumentierte er. Wirtschaftlich könne man solche Einrichtungen nicht betreiben, denn genau wie für Grundstücke gilt für Parkhäuser, dass die Lage des Objekts das entscheidende Kriterium ist.

Spannend bleibt daher, in welcher Richtung sich die Problematik in Zukunft entwickeln wird. Nur eins ist sicher, konfliktfrei und emotionslos wird es dabei mit ziemlicher Sicherheit nicht zugehen.

Hören Sie im Originalton ein Interview von Harald Denckmann mit Anwohner Rainer Würtz und dem FDP-Fraktionsvorsitzenden Thorsten Fürter.

Was die Autofahrer und den ruhenden Verkehr betrifft hatte man als Experten Dr. Ralph Bruns (rechts) von der KWL, hier mit Thorsten Fürter (FDP) eingeladen. Fotos: Harald Denckmann

Was die Autofahrer und den ruhenden Verkehr betrifft hatte man als Experten Dr. Ralph Bruns (rechts) von der KWL, hier mit Thorsten Fürter (FDP) eingeladen. Fotos: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 164058   Autor: Harald Denckmann   vom 08.02.2024 um 09.59 Uhr

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