Thomas Mann: Wohllaut und Wort und Ton

Lübeck - Innenstadt: In diesem Jahr begehen Lübecks Kulturbürger den 100. Jahrestag des Erscheinens von Thomas Manns großem Roman „Der Zauberberg“ mit einer Reihe von Veranstaltungen. Aus Anlass des Jubiläums haben sich Theater und Buddenbrookhaus beim 2. Klangbilderkonzert der Saison zusammengefunden zur „Fülle des Wohllauts“: Zwei Stunden in Wort und vor allem Musik brachten den großen Literaten hautnah.

In den gut besuchten Kammerspielen führten Musikdramaturg Dr. Jens Porath und Literaturwissenschaftlerin Dr. Barbara Eschenburg kundig hinein ins Thema, um dann den Künstlern die Bühne zu überlassen. Dort prunkte ein Grammophon, denn auf solchem spielte Hans Castorp, die zentrale „Zauberberg“-Figur, seine Schellackplatten ab. Die Zauberberg-Atmosphäre ließ Michael Fuchs aus dem Schauspielensemble entstehen: An einem Tischchen sitzend, rezitierte er voller mimischer und gestischer Varianten den Text – der sich an den rechten Stellen akustisch weitete ins Musikalische.

Denn nun unterlegte der Pianist Youngho Park am Flügel die Gedanken des Literaten und wurde famos gestaltender Begleiter dessen geliebter Opernszenen. Immer wieder fügten sich die Minuten des Wohllauts ein, denen sich vier Mitglieder des Opernensembles mit Hingabe widmeten. Nachdem Natalia Willot ihren Sopran sanft durch Richard Wagners Wesendonck-Lied „Träume“ geführt hatte, sprang Laurence Kalaidjian frisch hinein in die Faktotum-Arie von Rossinis „Il Barbiere di Siviglia“, überzeugte dann mit seinem kernigen Bariton und bester Deklamation auch als Wagners Wolfram und Gounods Valentin.

Es waren ja Thomas Manns „favourits“, in denen er Hans Castorp schwelgen ließ, und denen hier das Publikum lauschen und dabei erleben durfte, welch großes Potenzial das Lübecker Opernstudio derzeit aufweist. Gustavo Mordente Eda legte all seinen tenoralen Schmelz in die Blumenarie in Bizets „Carmen“, um sich dann zu duettieren mit Frederike Schulten, deren markanter Mezzosopran das „Je vais danser“ der Carmen furios eingeleitet hatte.

Youngho Park hatte das Musikalische des Abends offenhörig mit großer Sorgfalt einstudiert und war auch die melodische Stütze. Bei den Duetten ließen Eda und Villot „O soave funciella“ (aus „La Bohème“) mit strahlenden Höhen ebenso zum Belcanto-Erlebnis werden wie die Abschiedsszene aus Verdis „Aida“. Ein besonderes Zauberberg-Bild brachte das Zwischenspiel von Waldo Ceunen ein: Der philharmonische Flötist ließ in Debussys „Prélude à l'après midi d'un faune“ das seltsame Wesen sich sonnen und räkeln – in feinen Laufwechseln mit dem Pianisten.

Besinnlich wie er begann, klang der vielseitige Nachmittag aus: Frederike Schulten gestaltete Schuberts „Der Lindenbaum“ schlicht und eindringlich. Das Publikum dankte mit reichem Beifall für die Interpretationen auf der Bühne – und damit einen Blick in die Seele Thomas Manns – von der emotionsgeladenen Opernszene bis zum gemütvollen Lied, alles verbunden durch Michael Fuchs' Vortrag der „Zauberberg“-Szenen.

In den gut besuchten Kammerspielen führten Musikdramaturg Dr. Jens Porath und Literaturwissenschaftlerin Dr. Barbara Eschenburg kundig hinein ins Thema, um dann den Künstlern die Bühne zu überlassen. Foto: Archiv/HN

In den gut besuchten Kammerspielen führten Musikdramaturg Dr. Jens Porath und Literaturwissenschaftlerin Dr. Barbara Eschenburg kundig hinein ins Thema, um dann den Künstlern die Bühne zu überlassen. Foto: Archiv/HN


Text-Nummer: 164136   Autor: Güz   vom 12.02.2024 um 13.29 Uhr

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