VfB Lübeck will Begeisterung in der Stadt wecken

Lübeck: Der VfB Lübeck steigt aus der 3. Liga wieder ab. Am Freitagabend hat der Aufsichtsrat eine Mitteilung veröffentlicht, die Änderungen in der Strategie des Vereins enthält. So habe man es bisher nicht geschafft, eine Begeisterung bei möglichst vielen Lübeckern zu wecken. Die 3. Liga werde erst wieder angestrebt, wenn der Verein nachhaltig professionalisiert ist.

Wir veröffentlichen die Stellungnahme des Aufsichtsrates im Wortlaut:

(")In den vergangenen Wochen hat die Vereinsführung aus Aufsichtsrat und Vorstand die aktuelle Situation des Vereins, die sportliche Bilanz, aber vor allem die allgemeine Entwicklung des VfB Lübeck sorgfältig analysiert, Fehler diskutiert und Herausforderungen für die Zukunft identifiziert. Dabei wurden Erkenntnisse und Einschätzungen aus allen Tätigkeitsbereichen im Haupt- und Ehrenamt, aus der Mitgliedschaft, dem Kreis der Sponsoren sowie der Fanszene zusammengetragen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Mithilfe von breit angelegten Umfragen unter den Zuschauern sowie der aktiven Mitgliedschaft soll dieses Fundament an Eindrücken und Informationen weiter ergänzt werden, sodass der VfB Lübeck die richtigen Lehren aus dem erneuten Abstieg aus der 3. Liga zieht und sich bestmöglich für die zukünftige Entwicklung aufstellt.

Zunächst ist festzustellen, dass der erneute Abstieg aus dem Profifußball ein erheblicher Rückschlag für den gesamten VfB Lübeck ist und das Ziel, sich in der 3. Liga zu etablieren, damit deutlich verfehlt wurde. Der Ansatz, erst die wesentlichen Ressourcen in den sportlichen Aufstieg zu investieren, um danach Organisation und Infrastruktur mitwachsen zu lassen, hat sichtbar nicht zum Erfolg geführt. Dies bedeutet für die Vereinsführung, dass das Saisonziel eines erneuten Angriffs auf die 3. Liga erst dann wieder ausgegeben werden kann, wenn die allgemeine Entwicklung des Vereins einen Punkt erreicht hat, der einer nachhaltigen Professionalisierung gerecht wird und ein tragfähiges Fundament für ein mittelfristiges Behaupten im Profifußball gegeben ist.

Dem VfB Lübeck fehlt trotz zweier Aufstiege in die 3. Liga weiterhin die notwendige Sichtbarkeit und Bedeutung in Lübeck und der Region. Es ist auch in dieser Saison nicht hinreichend gelungen, eine Euphorie zu entfachen und die Menschen an den Verein zu binden. Während an vielen anderen Standorten im Profifußball die Vereinsfarben unzertrennlich zum Stadtbild gehören und Fußballvereine identitätsstiftend für die gesamte Stadtgesellschaft sind, fristet der VfB in weiten Teilen Lübecks weiterhin ein Schattendasein.

Zwar können wir sehr stolz auf unsere herausragende Fanszene sein, die auch in dieser Saison wieder einmal unter Beweis gestellt hat, mit welchem Herzblut und mit wie viel Leidenschaft selbst längste Strecken durch unsere Republik auf sich genommen wurden, um unsere Mannschaft zu unterstützen, aber das darf uns nicht reichen. Fußballvereine sind überregionale Repräsentanten ihrer Städte und verkörpern weit über die Stadtgrenzen hinaus fast einzigartig ihre Regionen. Wenn dies mit Leben gefüllt wird, profitieren Verein und Stadt gleichermaßen davon. Und deshalb müssen Lübeck und der VfB in Zukunft enger zusammenrücken. Die Vereinsführung ist entschlossen, diese Herausforderung stärker denn je anzunehmen und Grün-Weiß in der Stadt als fester Bestandteil der Lübschen Identität zu verankern.

Dazu gehört in erster Linie eine professionelle und konsistente Außendarstellung des Vereins. Sowohl in der Kommunikation über eigene Kanäle, wie etwa in den sozialen Medien oder über die vereinseigene Website, aber auch in der aktiven Pressearbeit der Gremien haben wir Potentiale identifiziert, die wir zukünftig noch besser heben wollen.

Mit einer starken Marke, einem einheitlichen Erscheinungsbild, positiven Geschichten und klarer Wiedererkennung wollen wir den VfB unverwechselbar und mit hoher Präsenz in das Stadtbild bringen. Dazu werden wir auch die Alleinstellungsmerkmale des VfB als Verein mit langer Tradition und als sportliches Aushängeschild Lübecks stärker herausarbeiten. Viele Lübecker verbinden mit dem VfB einzigartige Erlebnisse und Erinnerungen. An den damit verbundenen starken Emotionen wollen wir ansetzen und sie mit unseren Werten zusammenbringen.

Unsere Farben und Werte in der Öffentlichkeit zu repräsentieren, ist ein Privileg, das in der Vergangenheit zu häufig auf zu wenige Menschen konzentriert war und in der Ausgestaltung bisweilen hanseatisch nüchtern bis sachlich ausgefallen ist. Mit der Einbeziehung verdienter Akteure, ehemaliger Spieler und langjähriger Fans – echter VfB-Legenden – wollen wir unseren Traditionsverein lebendig und mit Leidenschaft nach außen präsentieren.

Echt Leev – keen Mood. Der VfB ist der Verein, der trotz aller Rückschläge und Widrigkeiten in seiner Geschichte immer wieder aufgestanden ist, sich nie hat unterkriegen lassen und bei allen Höhen und Tiefen seit über einem Jahrhundert für Zusammenhalt und Treue steht. Dieses Motto wollen wir nicht mehr länger nur bezuglos auf unsere Trikots drucken, sondern endlich mit Leben füllen und noch stärker als bisher zum Markenzeichen unseres Vereins machen.

Die Führung des Vereins haben wir im Zuge der weiteren Professionalisierung im vergangenen Jahr erstmals mit einem hauptamtlichen Vorstandsvorsitzenden besetzt. Diesen eingeschlagenen Weg werden wir auch in der Regionalliga fortsetzen und den Vorstandsvorsitz neu mit einer externen Persönlichkeit besetzen, die mit Erfahrung, Leidenschaft und Professionalität im Zentrum der zukünftigen Vereinsführung stehen wird.

Eine wesentliche Aufgabe der Vereinsführung wird in Zukunft auch darin liegen, den Dialog mit den Vereinsmitgliedern sowie den Fans neu aufzustellen und auf Augenhöhe die unterschiedlichen Akteure im VfB in der zukünftigen Entwicklung besser mitzunehmen. Ein offener und verbindlicher Austausch im Bewusstsein der verschiedenen Interessen und Bedürfnisse stärkt den Zusammenhalt im Verein und fördert die Attraktivität des VfB. Ergänzt wird die Neuaufstellung durch eine aktive Mitgliederkampagne. Das perspektivische Ziel des VfB muss sein, nicht nur der bekannteste, sondern auch der mitgliederstärkste Verein der Stadt zu sein.

Dazu gehört auch die offene Auseinandersetzung mit den Entwicklungspotentialen im Breitensport. Der VfB Lübeck soll ein Verein sein, der nicht nur zum Besuch im Stadion, sondern auch zum Mitmachen einlädt. Ein Beispiel ist die lang diskutierte Öffnung für den Mädchen- und Frauenfußball, welche ein mittelfristiges Ziel des Vereins sein muss. Im Bewusstsein der limitierten Rahmenbedingungen ist somit die Belebung eines aktiven Vereinslebens ein Bestreben, dem sich der Verein widmen will. Hierzu gehören auch infrastrukturelle Maßnahmen wie die Schaffung einer echten Begegnungsstätte, die Sanierung der Trainingsstätten und Umkleidekabinen sowie die Unterstützung der Ehrenamtlichen in ihrem Engagement für den Verein.

Selbstverständlich ist das Herzstück des Vereins weiterhin der Leistungsfußball. Die sportlichen Leistungen der Ligamannschaft sind in den wesentlichen Phasen der Saison deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. In der sportlichen Analyse wurden alle Entscheidungen sorgfältig durchleuchtet, Maßnahmen rückblickend diskutiert und auf Basis der gemeinsamen Erkenntnisse von Aufsichtsrat und Vorstand die Ausrichtung für die Zukunft miteinander verabredet. Der VfB Lübeck wird mit jungen vielversprechenden Spielern aus der Region ein neues Gesicht bekommen. Zusammen mit einigen Spielern, die bereits jetzt Teil der Profimannschaft sind, soll so eine Mannschaft zusammenwachsen, die mit einer klaren Spielidee und attraktivem Fußball überzeugen wird. Dabei ist die nachhaltige Entwicklung wichtiger als der kurzfristige sportliche Erfolg. Das Team um die Mannschaft wird mit der Neuverpflichtung von Guerino Capretti von einem lizenzierten Fußballlehrer angeführt und soll in der Struktur bestmöglich professionell aufgestellt bleiben. Aufgebaute Strukturen aus der laufenden Saison sollen, soweit es möglich ist, erhalten werden. Einen erneuten Angriff auf die 3. Liga werden wir erst dann ausrufen, wenn die Rahmenbedingungen dies erlauben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir der sportlichen Entwicklung der neuen Mannschaft Grenzen setzen wollen. Wir wissen um den direkten Aufstiegsplatz von der Regionalliga Nord in die 3. Liga zur übernächsten Saison und die Etablierung im Profifußball bleibt selbstverständlich die perspektivische Zielsetzung. Auch im Jugendbereich wollen wir den eingeschlagenen Weg mit der Professionalisierung der Strukturen und des Umfelds fortsetzen und unsere Mannschaften in die Lage versetzen, auf höchstem Niveau in den jeweiligen Altersklassen mitzuhalten.

Wirtschaftlich ist der Verein besser aufgestellt als in der Vergangenheit. Der VfB Lübeck hat mehrfach nachgewiesen, dass die Kriterien des DFB sowohl finanziell als auch infrastrukturell erfüllt werden können. Besonders in diesem Jahr war die Rückmeldung des DFB zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit bemerkenswert gut. Dies ist ein Ausweis der guten Arbeit und der positiven Entwicklung der zurückliegenden Jahre. Sowohl im Sponsoring als auch in den Zuschauerzahlen stehen wir besser da als noch vor ein paar Jahren. Gerade in der Zusammenarbeit mit unseren treuen Sponsoren haben wir entscheidende Schritte nach vorne gemacht und spüren bereits jetzt die anhaltend große Unterstützung für die kommende Regionalligasaison.

Im Bereich der Infrastruktur rund um den Leistungsfußball ist die größte Herausforderung für die Zukunft eindeutig die Weiterentwicklung und Zukunft des Stadions an der Lohmühle. Auch in dieser Drittligasaison wurde wieder deutlich, dass die Eigentümerschaft in Vereinshand ein erheblicher Wettbewerbsnachteil gegenüber vielen anderen Standorten ist. Rund 80 Prozent der Stadien in der aktuellen 3. Liga sind in jeweiligem städtischem Besitz. Davon wurden rund zwei Drittel in den vergangenen 15 Jahren für durchschnittlich fast 40 Millionen Euro rundumsaniert oder sogar komplett neu gebaut. Jüngste Beispiele für städtische Investitionen in Millionenhöhe bei vergleichbaren Vereinen sind beispielsweise in Münster oder in Oldenburg zu beobachten, wo aus kommunalen Geldern neue Stadien gebaut werden. Der VfB Lübeck, als einer von nur zwei Vereinen in der aktuellen 3. Liga, muss dagegen mit erheblichen Anstrengungen, und auf sich allein gestellt, in das Stadion an der Lohmühle investieren, um es profifußballtauglich zu halten. Zwar konnten an einigen Stellen kleinere Förderungen, z.B. zum Ausbau der Rasenheizung, akquiriert werden, in der Gesamtbetrachtung liegen wir damit in Lübeck jedoch meilenweit unter den Volumina an nahezu allen anderen Profifußballstandorten. Dies verhindert auf vielen angesprochenen Tätigkeitsfeldern des VfB ein echtes Vorankommen und limitiert den Verein spürbar.

Schon heute ist klar, dass Profifußball in Lübeck mittelfristig nur dann ermöglicht werden kann, wenn die Hansestadt Lübeck hier, wie viele andere Städte in Deutschland, Verantwortung übernimmt und sich klar zum Profifußball bekennt. Die Vereinsführung des VfB Lübeck wird sich in Zukunft intensiver als bisher darum bemühen, entsprechende Gespräche mit Verwaltung und Politik zu führen, um einen gemeinsamen Weg zu finden, von dem Stadt und Verein gleichermaßen profitieren werden. Das erklärte Ziel muss sein, hier zusammen an einem Strang zu ziehen und Lübeck zu einer echten Sportstadt zu machen.

Der VfB Lübeck weiß um seine aktuelle Situation, seine Herausforderungen und seine Potentiale. Wir sind fest davon überzeugt, dass wir trotz des erneuten Abstiegs in vielen Bereichen auf dem richtigen Weg sind und wollen dort besser werden, wo wir Fehler gemacht haben. Wir laden alle Lübecker dazu ein, den Weg des VfB mitzugehen und zusammen an einer Zukunft in Grün-Weiß zu arbeiten. Wir haben noch viel vor und werden mit Leidenschaft und Herzblut für unseren VfB streiten. Echt Leev – keen Mood.(")

Der VfB Lübeck hat seine neue Vereinsstrategie veröffentlicht.

Der VfB Lübeck hat seine neue Vereinsstrategie veröffentlicht.


Text-Nummer: 165795   Autor: VfB/red.   vom 10.05.2024 um 21.16 Uhr

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