Trave-Campus: Hönel bedauert, dass es keine große Lösung gibt

Lübeck: „Ich bedaure, dass noch kein Weg für die große Lösung gefunden werden konnte“, schreibt Bruno Hönel, Abgeordneter für den Wahlkreis Lübeck, Berkenthin und Sandesneben-Nusse, in einer Mitteilung zum „Trave-Campus“ der Handwerkskammer Lübeck (Wir berichteten).

Wir veröffentlichen die Mitteilung von Bruno Hönel im Wortlaut: („) „Die Stärkung und Zusammenführung der beruflichen Bildung an einem modernen Neubau-Standort in Lübeck war die Zielstellung des Trave-Campus. Ich bedaure sehr, dass nach über zwei Jahren Arbeit der von Bernd Buchholz und Bettina Stark-Watzinger initiierten Task-Force bislang kein praktikabler Weg für diese so genannte „große Lösung“ gefunden werden konnte.

Durch die Bündelung von Berufsschulen, überbetrieblichen Bildungsstätten und einem Fortbildungszentrum sollten Synergien genutzt und Kompetenzen gebündelt werden. Der beruflichen Bildung hätte dieses Leuchtturm-Projekt starken Rückenwind geben können. Nicht nur der Standort Lübeck, sondern die ganze Region hätten profitiert. Es ist mehr als bedauerlich, dass ein zweijähriger Arbeitsprozess über Fragen des Vergabeverfahrens und der Finanzierung ohne nennenswertes Ergebnis endet.

Wichtig ist jetzt, dass es mit der „kleinen Lösung“, das heißt dem Neubau von Berufsbildungsstätte und Fortbildungszentrum, endlich losgeht, da die bisherigen Standorte bereits in die Jahre gekommen sind. Die letzte Hoffnung für die „große Lösung“ scheint derweil der Vorschlag der Handwerkskammer zu sein, auf dem Gelände an der Kronsforder Landstraße nachträglich durch eine Randbebauung vielleicht doch noch die weiteren Bildungseinrichtungen zu bündeln. Ich begrüße diesen Vorschlag ausdrücklich und hoffe auf eine zügige baurechtliche und städtebauliche Prüfung.

Zunächst bleibt für das Land Schleswig-Holstein die Frage offen, wie die Neuorganisation der Landesberufsschulen organisiert werden soll. Ich habe Zweifel, dass dies außerhalb der Trägerschaft der Handwerkskammer am Ende für das Land günstiger werden wird. Dass derzeit regelmäßig Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben, ist für mich ein Zeichen, dass die Attraktivität der beruflichen im Vergleich zur akademischen Bildung gesteigert werden muss. Der Fachkräftemangel belastet schon heute viele Branchen in Deutschland. Uns fehlen aktuell mehr als 540.000 qualifizierte Fach- und insgesamt über 2 Millionen Arbeitskräfte. Dabei befinden wir uns in einer Phase der wirtschaftlichen Transformation in Richtung Digitalisierung und Klimaneutralität.

Für junge Leute ergeben sich daraus große Chancen. Aus- und Weiterbildung haben gerade in dieser Phase einen hohen Stellenwert und sind eine wesentliche Voraussetzung für das
Schließen der Fachkräfte-Lücke. Auch deshalb werde ich mich weiterhin im engen Austausch mit der Handwerkskammer für eine Stärkung und Modernisierung der beruflichen Bildung
einsetzen.

Schlussendlich führt auch die Diskussion über die Realisierung des Trave-Campus zur Frage der Reform der Schuldenbremse. Denn vorerst gescheitert ist die große Lösung eben auch an der Finanzierung. Deutschland muss dringend mehr in seine Zukunft investieren, wofür die Schuldenbremse auf die Höhe der Zeit gebracht werden muss. Ich lade deshalb alle Vertreter der demokratischen Fraktionen zu konkreten Debatten über eine Reform ein.“

Hintergrund: Ein neues überregionales Ausbildungszentrum für Berufsbildung, der Trave-Campus, ist seit rund zehn Jahren in der Diskussion. Seit Anfang 2022 arbeitete die vom Bundesbildungsministerium (BMBF) zusammen mit dem Bildungsministerium Schleswig-Holstein (MBWK SH) eingesetzte Task-Force gemeinsam mit der Handwerkskammer Lübeck (HWK) zuletzt an diesem Projekt. Ziel war die Stärkung der beruflichen Bildung durch einen gemeinsamen modernen Neubau in Lübeck. Bei der „großen Lösung“ des Trave-Campus sollten die Überbetriebliche Berufsbildungsstätte (ÜBS), sechs Landesberufsschulen (LBS) und das Fortbildungszentrum (FBZ) unter einem Dach zusammengeführt werden. („)

„Ich bedaure, dass noch kein Weg für die große Lösung gefunden werden konnte“, schreibt Bruno Hönel. Foto: Büro Bruno Hönel

„Ich bedaure, dass noch kein Weg für die große Lösung gefunden werden konnte“, schreibt Bruno Hönel. Foto: Büro Bruno Hönel


Text-Nummer: 165893   Autor: Bruno Hönel/red.   vom 15.05.2024 um 14.31 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Martin

schrieb am 15.05.2024 um 14.34 Uhr:
Endlich kann der Neubau realisiert werden. Auch wenn der Baubeginn erst in 2026 sein soll.
Für Erweiterungsbauten ist übrigens noch genügend Platz vorhanden. Zukünftige Gebäude in späteren Jahren für die Landesberufsschulen sind also nicht ausgeschlossen.

Mit Schuldzuweisungen warum zurzeit nicht genügend Geld vorhanden ist, würde ich bei allen Beteiligten den Ball mal lieber ganz flach halten. Es ist ja nicht gerade die Wirtschaftspolitik in Schleswig-Holstein oder in der Hansestadt Lübeck, die momentan für schwindende Steuereinnahmen verantwortlich ist. Wenn ideologisch getriebene Energie- und Standortpolitik einem die Suppe versalzen, dann darf man das nicht der hiesigen Politik anlasten.

Auch für Europa kann man jetzt schon die Weichen stellen.

Gehen sie zur Briefwahl und denken sie auch mal an sich selbst und nicht nur an die anderen, wenn sie ihr Kreuz machen!

Rainer

schrieb am 15.05.2024 um 16.16 Uhr:
Hätte, hätte...Fahrradkette? Planen kann man ja viel, aber Ergebnisse sind eine ganz andere Sache, und die sind wahrlich längst überfällig und werden durch Verzögerung automatisch immer teurer! Liegt die stockende Angelegenheit vielleicht auch an der "grünen" Verengung der beruflichen Bildung hin zum absurd-einseitigen Postulat von "Klimaneutralität", die es gar nicht geben kann, (!) und einem "Digitalisierungswahn", der meisterliche "Handarbeit mit Köpfchen" und Werkzeugen nicht ersetzen wird?

Hans Hansen

schrieb am 16.05.2024 um 07.47 Uhr:
Lübeck will immer haben, haben, haben aber nicht finanzieren. Mit der Hubbrücke war es genau so. Der Bund wollte schon seit !2016! sanieren/modernisieren. Lübeck hatte Extrawünsche, wollte die aber nicht bezahlen. Das funktioniert weder Privat noch in öffentlichen Haushalten. Für seine Extrawurst, muss man auch mal was tun.

Vielleicht weniger städtisches Kapital für Spottpreise an Amigo-Investoren verschleudern... und vielleicht auch mal in günstigen Wohnraum und günstige Infrastruktur (Radwege, ÖPNV) investieren. Es wandern Firmen ab, weil sie hier kein Personal finden. Das reißt Löcher in die Steuereinnahmen.

Wir müssen Lübeck für Fachkräfte attraktiv gestalten, wenn wir uns nicht ruinieren wollen. Und mit der Zeit gehen. Der Hafen wird mit dem Fehmarnbelttunnel an Relevanz verlieren. Tourismus ist unsere einzige Karte. Hafenterminals in Natur- und Kulturlandschaften zu ballern, zerstört unser letztes Kapital. Wir müssen Wassersport und Tourismus fördern. Fischerdörfer erhalten und infrastrukturell anbinden. Siehe Altstadt Schlutup, siehe Gothmund, Travemünde. In Letzterem hat man gerade den touristischen Charme mit Katalogbunkern an der Wasserkante zerstört.

Lübeck lebt an der Realität vorbei...

Misanthrop

schrieb am 16.05.2024 um 07.57 Uhr:
Warum sollte man auch die Jugend fördern und die Bildung verbessern? Wo kämen wir da nur hin?

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