Lübecker Jusos wollen den Kaiser stürzen

Lübeck: Die Lübecker Jusos wollen eine Debatte über die Erinnerungskultur eröffnen. Konkret geht es um die Statuen von Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck. Zu diesem Thema laden sie zu einer Diskussionsveranstaltung am Dienstagabend ein.

Wir veröffentlichen die Mitteilung der Jusos im Wortlaut:

(")Seit mehr als einem Jahrhundert prägen die beiden Statuen von Otto von Bismarck und Kaiser Wilhelm I. das Lübecker Stadtbild. Für viele Touristen sind sie nach dem Hauptbahnhof das Erste, was sie von Lübeck sehen. Beide stehen an einem sehr prominenten Ort im Einfallstor zur Hansestadt und repräsentieren dort Unterdrückung, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit. Daher möchten die Jusos offen fragen, ob es nicht geeignetere Kandidatinnen oder Kandidaten für eine solche Ehrung gibt, die das moderne Lübeck besser repräsentieren können als die zwei bekanntesten Vertreter des Kaiserreichs?

Bismarck und der Kaiser waren keine Demokraten, sondern standen für einen nationalistischen Obrigkeitsstaat mit geringer Presse- und Meinungsfreiheit. Sie waren Rassisten und Kolonialherren und verantworteten Ausbeutung und Entrechtung sowohl in Deutschland als auch in Afrika.

Bismarck lehnte zwar in den frühen Jahren seiner Kanzlerschaft eigene deutsche Kolonien ab, in den Jahren 1884/85 errichtete Deutschland unter seiner Führung aber dann trotzdem Kolonialregime u.a. in Namibia und teilte sorglos Afrika unter den Kolonialmächten auf der Afrika-Konferenz auf. Bismarck war somit Grundsteinleger für die deutschen Gräuel und Gewalttaten, wie dem Genozid an den Herero und Nama in den deutschen Kolonien.

Um die Erinnerungskultur in Lübeck offen diskutieren zu können und zeitgemäße Lösungen für solch kritische Persönlichkeiten zu erarbeiten, laden die Jusos alle interessierten Lübeckerinnen und Lübecker unter 35 Jahren zur offenen Sitzung am Dienstag, den 21. Mai, um 19 Uhr ins Julius-Leber-Haus, Große Burgstraße 51 ein. Als Gäste werden die Lübecker Bildungs- und Kultursenatorin Monika Frank, sowie Dr. Christiane Bürger von der Stabsstelle Erinnerungskultur bei der Hansestadt an der Sitzung teilnehmen. Eine vorherige Anmeldung ist nicht notwendig.(")

Markus Ameln und Tarek Kayser von den Jusos Lübeck im EU-Wahlkampf unter den wachsamen Blicken des Kaisers. Foto: Jusos

Markus Ameln und Tarek Kayser von den Jusos Lübeck im EU-Wahlkampf unter den wachsamen Blicken des Kaisers. Foto: Jusos


Text-Nummer: 165970   Autor: Jusos/red.   vom 20.05.2024 um 10.01 Uhr

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