Jahrhunderte alte Decken-Malereien in der Altstadt entdeckt

Lübeck - Innenstadt: Wie bereits von der Abteilung Denkmalpflege vermutet, konnten nun in einem 1997 unter Denkmalschutz gestellten Haus in der Lübecker Innenstadt wahre Schätze hinter Holzplatten und Gipskarton geborgen werden. Die Jahrhunderte alten Kunstwerke stammen aus der Zeit um 1610-1650.

Als die Besitzer des Hauses mit dem Rückbau der abgehängten Decken und Wandverschalungen begannen, wurden sie von Jahrhunderte alten Kunstwerken überrascht: Neben blumigen Motiven wurden unter anderem eine gemalte Holzkassettendecke und in Fragmenten ein sogenanntes Flechtband gefunden. Sie zeugen vom einstigen Prunk des Dielenhauses.

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Teile der ursprünglichen Dielendecke. Darauf aufgemalte Kassetten wie sie in Lübeck häufig in der Zeit zwischen 1570-1650 gemalt wurden. Die feinen Blüten waren erst ab etwa 1630-1680 verbreitet. Sogenannte Mauresken wie hier auf den Balken waren etwa von 1570-1640 beliebt.

Wände und Decken des Hauses waren zuletzt in schlechtem Zustand und über die letzten Jahrhunderte mit Holzplatten und Gipskarton verbaut worden. Ein Glücksfall, wie sich nun herausstellte. Denn statt alte Farben und Putze abzuschlagen oder zu schleifen, übermalte und verdeckte man diese lediglich. So wurden schon bald zu Beginn des Rückbaus erste Farbschichten durch die Restauratorin Eileen Wulff festgestellt und dokumentiert. Verschiedene Formen und Farben, fragmentarisch erhalten, konnte sie durch vergleichbare Motive aus Lübeck bereits grob datierten. Die Schichten stammen im Wesentlichen aus der Zeit der Renaissance um 1600, dem Barock nach 1750 und dem Jugendstil um 1900. Sie konnte Teile sogenannter Mauresken, ein Motiv aus stilisierten Ranken, verschiedene Blumenmotive und Schablonenmalerei identifizieren.

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Das Schweifwerk an den Balken ist nur noch blass zu sehen. Vergleichbare Ornamente stammen aus der Zeit zwischen 1610-1650. Die Deckenfläche zwischen den Balken ist zwar beschädigt, doch lassen sich noch aufgemalte Paneele erkennen. Neben einem in wenigen Resten erkennbaren Fruchtbündel (1610-1660) sieht man mittig eine mit Ranken umrandete Kartusche. Was in ihrer Mitte gemalt war lässt sich leider nicht mehr entziffern. Oft waren dort Porträts oder Allegorien, Tugenden in Form von Personen, dargestellt.

Malereien verzierten Wände und Decken
Unter den abgehängten Decken kamen im Obergeschoss nicht nur Fragmente, sondern in Teilen vollständige Farbfassungen zum Vorschein, die von der städtischen Bauforscherin Nina Krischke zunächst fotografisch erfasst wurden.

Dabei wurden insbesondere drei Stiltypen im Obergeschoss des Vorderhauses festgestellt:

· Formen, die als Malerei eine Holzkassettendecke imitiert, mit zahlreichen blumigen Motiven unterschiedlichster Art. Zudem konnten auf einem Balken wie bereits in anderen Bereichen des Hauses in Fragmenten erhaltene Mauresken festgestellt werden.

· Ein sogenanntes Schweifwerk, ein bandartiges Ornament, und Fruchtgehänge auf angedeuteten Paneelen.

· Ein sogenanntes Flechtband, das allerdings nur noch undeutlich erhalten ist.

Ersten Einschätzung nach und im Vergleich mit anderen bekannten Malereien innerhalb der Altstadt, stammen die Deckenmalereien aus der Zeit um 1610-1650. Um diese Datierung noch zu konkretisieren, werden diese Bereiche nun erneut und detailliert von der Restauratorin untersucht, um eventuelle Farbschichtabfolgen festzustellen.

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Nur noch in Resten erhaltenes Flechtband auf einer Zwischenbohle. Unklar ist noch warum diese zwischen die Balken gesetzt wurde.

Bauforschung untersucht ehemaliges Dielenhaus
In welchem Kontext die Malereien in Bezug auf die Baugeschichte stehen ist noch offen. Fest steht, dass das Gebäude ursprünglich ein Dielenhaus war, bevor es spätestens ab etwa 1850 umfangreich umgebaut wurde. Der Fragestellung nach dem Typus des Dielenhauses und wie dieses ausgesehen haben könnte und von wem das Haus genutzt wurde, widmet sich nun die Bauforschung. Dazu soll unter anderem mittels Dendrochronologie, der Jahrringanalyse des verbauten Holzes, das Dachtragwerk detaillierter untersucht werden. Gemeinsam mit der Jugendbauhütte werden dafür Holzproben aus dem Deckenbalken entnommen, die im Anschluss an der TH Lübeck ausgewertet werden und das Fälljahr des Baumes angeben. Wie im Anschluss an die Forschung mit den Malereien umgegangen wird, ist noch offen.

Bauforscherin Nina Krischke nimmt die Malereien an den Decken auf. Fotos: HL

Bauforscherin Nina Krischke nimmt die Malereien an den Decken auf. Fotos: HL


Text-Nummer: 166170   Autor: Presseamt/red.   vom 29.05.2024 um 12.07 Uhr

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