Anwohner wollen Kitze vor der Mäh-Maschine retten

Lübeck - Travemünde: Das Feld nicht weit von ihrer Wohnung war frisch gemäht, als Sandra dort einige Raben kreisen sah. „Da bin ich hingerannt mit einer bösen Ahnung und hab dort ein komplett zerstückeltes Rehkitz gefunden“, erzählt die Travemünderin. Das war vor zwei Jahren und inzwischen gibt es eine Bürgerinitiative, die die Felder vor der Mahd absuchen will.

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„Hier liegen mindestens drei Rehkitze!“: Eva von der Bürgerini bringt für den Bauern ein Hinweisschild am Gatter an.

Bürgerinititive "Rehkitz Rönnauer Mühle“ gegründet
Die Bürgerinitiative „Rehkitz Rönnauer Mühle“ setzt sich aus Anwohnern zusammen, die auf Spaziergängen jeden Tag im Bereich der Wiesen in dem Wohngebiet unterwegs sind. Gegründet von Eva, Britta und Sandra, gibt es mittlerweile vierzehn aktive Unterstützer. „Wir haben 2022 das erste tote Rehkitz entdeckt. Und seitdem haben wir versucht, einzuwirken“, erzählt Eva im Gespräch mit HL-live.de. Als Initiative habe man sich dann im Herbst 2023 zusammengefunden. Und in diesem Jahr erst einmal Schilder an den Gattern aufgehängt. „Hier liegen mindestens drei Rehkitze“, ist auf einem zu lesen. Damit die Bauern wissen, dass dort welche im hohen Gras liegen. Direkt sehen kann man die Tierkinder nicht, aber beobachten, wenn sie von der Mutter gesäugt werden.

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Todesschreie der Tierkinder
Letztes Jahr hätte man schon ein Kitz retten können, erzählen die Gründerinnen. Mindestens zwei seien aber gestorben. Sie berichten von den furchtbaren „Schreien“, die dann im Wohngebiet zu hören sind. Das soll nicht wieder passieren, wenn voraussichtlich in der kommenden Woche die Felder abgemäht werden.

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Die Rehkitze sind im hohen Gras schwer auszumachen.

Rettender Lärm: Mit Töpfen und Kochlöffeln die Tier-Familien vergrämen
Voraussichtlich am Sonntag (02.06.2024) könnte es laut werden im Bereich der Rönnauer Mühle: Mit Kochlöffel und Kochtopf, Musik, Klatschen und auch Hunden sollen die Rehe vergrämt werden. „Das muss 24 Stunden vor der Mahd passieren, damit die Ricken genug Zeit haben, ihre Kitze wegzuführen“, weiß Eva.

Kitze mit Wäschekörben schützen
Da sie keine Wärmebild-Drohne zur Verfügung haben, wollen die Tierfreunde dann vor dem Mähen in Abstimmung mit den Bauern die Wiesen absuchen. Bei einer mehrere Hektar großen Wiese kann das einige Stunden dauern. Wo ein Kitz im Gras liegt, wird ein Korb über das Tierkind gelegt. Das kann ein normaler Wäschekorb sein. „Wir machen das halt mit unseren privaten Mitteln, die wir haben. Mit unseren Haus-Wäschekörben retten wir die Tiere sozusagen“, sagt Sandra. Denn Unterstützung hat die Gruppe nicht. Der Fundort wird dann noch mit einer Stange markiert. „Damit der Mäher nachher sieht, da liegt ein Kitz, da muss ich drum rumfahren“, erklärt Eva.

Helfer und Drohnenpiloten gesucht
Gemäht werden soll voraussichtlich am Montag (03.06.2024) und Dienstag (04.06.2024). Da die Absuche der Felder mit den wenigen Menschen voraussichtlich nicht ausreichen wird, fürchtet die Initiative, dass es wieder zu Todesfällen kommen wird. Weitere freiwillige Helfer und auch Drohnenpiloten sind daher höchst willkommen. Kontakt gibt es per E-Mail unter rehkitzrettung-roennauer-muehle@web.de sowie auf der Website www.rehkitzrettungroennauermuehle.de

„Hope“ haben die Anwohner dieses Kitz genannt, das im Vorjahr gerettet werden konnte. Andere hatten nicht so viel Glück. Fotos: Ini(2)/HN(2)

„Hope“ haben die Anwohner dieses Kitz genannt, das im Vorjahr gerettet werden konnte. Andere hatten nicht so viel Glück. Fotos: Ini(2)/HN(2)


Text-Nummer: 166223   Autor: Helge Normann   vom 31.05.2024 um 18.45 Uhr

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