Frauenpower im letzten NDR-Konzert

Lübeck: Im 8. und letzten Saison-Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters in der MuK stellte sich die Dirigentin Marin Alsop vor. Seit vier Jahrzehnten bei den großen Orchestern zuhause, brachte sie all ihre Erfahrung in ein durchaus spektakuläres Programm mit Werken von Beethoven und Prokofiew sowie des Zeitgenossen James MacMillan ein.

Zum Auftakt bot Alsop die 3. Leonoren-Ouvertüre von Beethoven sehr moderat und getragen in einer fast „altmodischen“ Art des Ausmusizierens. Das Freude-Motiv kam ganz naiv, und beidhändig schlagend vermied Alsop alles Martialische, so dass das Auf und Ab der Gefühle etwas sowie das Trompeten-Signal aus dem Off noch mehr distanziert klangen. Dem Finale eilte das Orchester routiniert entgegen.

Als ein Gewinn fürs Repertoire stellte sich das kurze Konzert für Sopransaxophon und Streichorchester des Schotten James MacMillan heraus (der hier vor einigen Jahren bereits sein fulminantes Schlagzeugkonzert dirigierte). Und er hätte sich keine bessere Interpretin wünschen können als die junge Jess Gillam: Deren Temperament ließ nicht nur die Goldpailletten ihres Outfits glitzern, sondern vor allem die Partitur mit ihrem Höchstmaß an Geläufigkeit und Kapriolen. Die drei Sätze in nur 15 Minuten sind gespickt mit technischen Finessen, die das Publikum heute ebenso verblüffen wie vor 200 Jahren das 1. Klarinettenkonzert von Carl Maria von Weber. Was Gillam in „March“ an Überraschungen bis zum Gelächter aus ihrem Instrument zauberte, im „Largo“ an mehrstimmigem Gesang mit Sphären-Streichern und an atemberaubenden Läufen im „Giocoso“ bot, ließ das Auditorium staunen und zum Beifallssturm hinreißen. Alsop hatte die Partitur (MacMillan steht in der Tradition von Benjamin Britten) vor Augen sowie alle Koordinaten und die präzisen NDR-Musici im Griff.

Zwölf Szenen aus Prokofiews drei „Romeo und Julia“-Suiten bildeten den Abschluss. Marin Alsop vertraute ihrer Professionalität, dirigierte sie ohne Partitur und bot routiniert das ganze Spektrum dieser Ballettmusik auf. Sie ließ in „Die Montagues und Capulets“ die Blechbläser imponieren, in „Die Straße erwacht“ die Holzbläser pointieren, dann die „Masken“ ironisch funkeln und immer wieder den Rhythmus mit seinen harten und ironischen Synkopen betonen. Sie verlangte in „Tybalts Tod“ vor allem Trompeten und Hörnern alles ab – und ließ in „Julias Tod“ der Verklärung ihren Lauf. Das war fast eine Stunde lang ein Wechselbad der Gefühle und der Lautstärken, das Dirigentin und Orchester routiniert dem nicht eben zahlreichen, dafür umso begeisterten Publikum boten.

Das letzte Saison-Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters in der MuK begeisterte das Publikum.

Das letzte Saison-Konzert des NDR Elbphilharmonie Orchesters in der MuK begeisterte das Publikum.


Text-Nummer: 166247   Autor: Güz.   vom 02.06.2024 um 14.57 Uhr

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