Philharmoniker: Kammermusik-Preziosen

Lübeck - Innenstadt: Wann kann man schon Fagott und Posaune solistisch erleben? Das 9. Kammerkonzert der Lübecker Philharmoniker überraschte mit seltenen Besetzungen und Preziosen des 17. bis 21. Jahrhunderts. Das Programm hatte überwiegend Soloposaunist Stephan Gerblinger zusammengestellt und stellte es auch mit launigen Worten dem Publikum im fast vollbesetzten Hoghehus vor.

Standhaft wie im Barock waren Violinen (Saeko Takayama und Joo Hyun Kang zeigten wechselnd ihre Führungsqualitäten) und Bläser (zu Gerblinger gesellte sich Fagottistin Vera Fliegauf): nur Cellist Janusz Heinze und Cembalist Sven Fanick saßen an ihren Instrumenten. Alle sechs waren zusammen beim Auftakt mit einer Sonate von Dario Castello, darin die Violinen die melodischen Wendungen weitergaben an die Bläser, die im Largo dominierten. Der reizvolle Kontrast zog sich durch das ganze Programm.

Was das Fagott an erzählenden Verzierungen bieten kann, zeigte Fliegauf in einer Bödecker-Sonate, welch humorvolle Konversation Fagott und Posaune halten können, demonstrierte sie mit Gerblinger in einem Duo Concertante des Schweizers Daniel Schnyder (*1961): Das Lakonische verlangte Zug um Zug große Treffsicherheit von Gerblinger, der in einem Solo von Bryan Lynn (*1954) triolengespickte Kapriolen mit finalem Bebop-Aufbäumen bot.

In Zelenkas musizierfreudiger Trio-Sonata Nr. 2 duettierten sich die Violinen, während das Fagott seine ganze Phrasierungskunst zeigte sowie Cello und Cembalo kontrapunktierten. Diese Virtuosität wurde übertroffen von Vivaldis „La Follia“: Tänzerische Passagen wechselten über in eine Rasanz, in der Kang und Takayama ein Feuerwerk an technischen Finessen abbrannten, ebenso souverän unterstützt von Heinze und Fanick.

Ein Arrangement von Gershwin-Hits führten von „The Man I Love“ zu „I Got Rhythm“ swingte unter Gerblingers sattem Posaunenklang, der auch Piazzollas elegischen „Oblivion“-Tango bestimmte, darin Heinze den Rhythmus vorgab, während Violinen und Fagott in die Dämmerung tanzten... Einmal mehr zeigten Philharmoniker, wie gut sie nicht nur en gros, sondern auch en Detail sind. Dabei hatte Fliegauf den vielseitigsten Part und Gerblinger die Dominanz auch im Raum, dessen Akustik leider Sven Fanick wenig unterstützte.

Das 9. Kammerkonzert der Lübecker Philharmoniker überraschte mit seltenen Besetzungen und Preziosen des 17. bis 21. Jahrhunderts. Foto: Archiv/Olaf Malzahn

Das 9. Kammerkonzert der Lübecker Philharmoniker überraschte mit seltenen Besetzungen und Preziosen des 17. bis 21. Jahrhunderts. Foto: Archiv/Olaf Malzahn


Text-Nummer: 166348   Autor: Güz   vom 06.06.2024 um 14.03 Uhr

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