Hochgiftige Pflanze am Wegesrand: Stadt sieht sich nicht zuständig

Lübeck - Travemünde: Claudia Böbs war mit ihrem Hund „Bingo“ wie immer die Gassi-Runde am Sportplatz gegangen. Wieder zuhause dachte sie zunächst, sie hätte wohl versehentlich eine Brennnessel angefasst. Doch bald bildeten sich Pusteln und Bläschen auf ihrem Handrücken. Der Arzt diagnostizierte eine „Phototoxische Reaktion“. Im Vorbeigehen hat sie wohl den Riesen-Bärenklau am Wegesrand berührt, meint die Travemünderin. Eine hochgiftige Pflanze.

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Es bleibt wohl eine Narbe
Die sonnigen Tage machen die Pflanze besonders gefährlich, denn gerade im Zusammenspiel mit Sonnenlicht ruft Riesen-Bärenklau (auch „Bärenkralle“, „Herkulesstaude“ oder „Herkuleskraut“) schwer heilende Hautreaktionen hervor, die an Verbrennungen erinnern. Claudia Böbs fürchtet, dass sie von der Begegnung mit der Giftpflanze eine Narbe auf dem Handrücken davontragen wird.

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Gefahr für Kinder und Tiere
Gefährlich ist die Pflanze besonders für spielende Kinder: Der Standort im Rönnauer Weg liegt unweit des Travemünder Sportplatzes, wo oft Kinder unterwegs sind. Auch Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Ostseestraße, die möglicherweise noch nie von der Pflanze gehört haben, kommen dort montags auf dem Weg zur Tafel vorbei. Und nicht zuletzt ist der Standort der Giftpflanzen nur wenige Meter vom beliebten Freilauf-Weg für Hunde entfernt. Die Giftpflanzen wachsen aber nicht nur am Wegesrand, sondern auch auf einem angrenzenden Feld, so dass sie sich in Richtung der Gärten in der Teutendorfer Siedlung ausbreiten könnten.

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Im Zweifel zum Arzt gehen
Wer mit der Pflanze in Berührung kommt, dem wird geraten, die betroffenen Hautflächen gut mit Wasser und Seife zu waschen. Weiter sollen Betroffene erst einmal das Sonnenlicht meiden. Denn durch die Giftstoffe verliert die Haut ihren natürlichen UV-Schutz. Im Zweifel sollten Betroffene zum Arzt gehen.

Gesundheitsgefährdung auch durch die Luft möglich
„Das Gift kann nicht nur bei direktem Hautkontakt mit der Pflanze seine Wirkung entfalten, sondern kann an besonders heißen Tagen durch Verdunstung auch über die Umgebungsluft aufgenommen werden“, warnt das Land auf Schleswig-Holstein.de. „In der Nähe der Pflanze kann die Giftkonzentration so sehr ansteigen, dass diese in den Atemwegen zu Reizungen bis hin zu Entzündungen führen kann. Auch die Augen können betroffen sein.“

Stadt sieht sich nicht zuständig
„Sollten Sie einen Bewuchs mit Riesenbärenklau im öffentlichen Bereich, insbesondere dort, wo eine unmittelbare Gefährdung für Menschen besteht (zum Beispiel Parks, Kinderspielplätze, Friedhöfe, Wanderwege), entdecken, melden Sie diesen bitte dem Ordnungsamt der betroffenen Gemeinde“, heißt es auf der Internetseite des Landes www.schleswig-holstein.de. Das hat Nikolaus Ritzmann, Hausmeister einer nahe gelegenen Wohnanlage, getan. Die Antwort des Bereichs Stadtgrün und Verkehr der Hansestadt Lübeck: „Hier handelt es sich um eine Privatfläche. Somit sind wir nicht zuständig.“

Eine Narbe auf dem Handrücken wird Claudia Böbs wohl für immer an ihre flüchtige Begegnung mit dem Riesen-Bärenklau erinnern. Fotos: Helge Normann

Eine Narbe auf dem Handrücken wird Claudia Böbs wohl für immer an ihre flüchtige Begegnung mit dem Riesen-Bärenklau erinnern. Fotos: Helge Normann


Text-Nummer: 166363   Autor: Helge Normann   vom 08.06.2024 um 14.59 Uhr

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