Ungewöhnliche Werbung für eine Stadtbahn

Lübeck: Seit Freitagmorgen stehen an verschiedenen Stellen Haltestellen. Dort hält allerdings kein Bus, sondern "in Zukunft die Stadtbahn Lübeck", verrät eine Aufschrift. Eine Aktion "Stadtbahn Lübeck" hat sich zu der Aktion bekannt.

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"Die Aktion soll anschaulich eine neue, mögliche Straßenbahnverbindung in Lübeck zeigen", so die Aktionsgruppe. Sie fordert, dass die Bürgerschaft ein solches Projekt "ganz oben auf die Tagesordnung" setzt. Die Straßenbahn als echtes Null-Emissions-Verkehrsmittel stehe für Klimaschutz, Lebensqualität und barrierearme und sozialgerechte Mobilität.

Bis 1959 hatte Lübeck schon einmal eine Straßenbahn. Wie in vielen anderen Städten musste sie jedoch dem Auto weichen. Sie hat nach Auffassung der Gruppe deutliche Vorteile gegen Linienbusse: "Auf gleicher Strecke und bei gleicher Taktung können mit einer Straßenbahn mindestens dreimal mehr Fahrgäste transportiert werden als in bisher üblichen Gelenkbussen - so kann auch dem immer heftiger werdenden Fachkräftemangel im öffentlichen Nahverkehr entgegengewirkt werden. Außerdem ist es möglich, die Tramgleisnetze in der Stadt mit den Eisenbahnlinien der Umgebung zu verknüpfen." Auf die Nachteile geht die Gruppe aber nicht ein. So führen durch einen Unfall oder eine Baustelle gesperrte Gleise zu einem Totalausfall des Systems. Busse können dagegen ausweichen. Bereits vor über zehn Jahren wurden die Kosten für eine Straßenbahn in Lübeck auf 500 Millionen Euro geschätzt.

Die Gruppe fordert, dass spätestens im Jahr 2035 die erste Straßenbahn in Lübeck rollen soll: "Dies ist möglich, wenn die Lübecker Bürgerschaft das Projekt von nun an mit höchster Priorität behandelt und die dafür notwendigen Schritte sofort umsetzt."

Am Samstag, 8. Juni, um 13 Uhr informiert der Verein "Tram für Lübeck" mit einem Vortrag auf dem Klimacamp auf dem Markt über das Projekt "Straßenbahn in Lübeck". Die Veranstaltung ist kostenlos.

Mit falschen Haltestellen wirbt eine Gruppe für eine Stadtbahn in Lübeck. Fotos: Stadtbahn Lübeck

Mit falschen Haltestellen wirbt eine Gruppe für eine Stadtbahn in Lübeck. Fotos: Stadtbahn Lübeck


Text-Nummer: 166372   Autor: VG   vom 07.06.2024 um 14.05 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Der Traum von der Tram

schrieb am 07.06.2024 um 14.26 Uhr:
Ihr Tagträumer. Ja, bis 1959 - das ist 65 Jahre her - hat das mit der Tram in Lübeck funktioniert. Seitdem sind Straßenbahnen doppelt so groß und benötigen dementsprechend doppelten Platz. Wie soll eine Straßenbahn durch Lübeck kommen, wen schon Busse oder Feuerwehrhrautos stecken bleiben? Eine Straßenbahn führt heute in der Regel über separate Trassen. Sinn könnte eine Straßenbahn aufgrund der separaten Trassenführung auf lange Strecken machen. Aber welche Strecken bieten sich in Lübeck an? Schlutup, hat immerhin noch Gleise am Markt, aber für 5.000 Einwohner? Stockelsdorf oder Bad Schwartau? Vielleicht, wenn man die Hauptstraßen auf zwei Fahrspuren ohne Parkstreifen und ohne Radweg reduziert. Kücknitz wäre ideal, vielleicht mit Straßenbahnfähre über die Trave. Bitte das Thema nicht in die Bürgerschaft bringen, die diskutieren schon genug Unsinn.

Misanthrop

schrieb am 07.06.2024 um 15.38 Uhr:
@Ein Traum...

Wie bekommen das wohl nur zukunftsorientierte Städte wie Rotterdam, San Francisco, Washington D. C., Los Angeles, Rio de Janeiro, Luxemburg, Rom, Dublin, London, Manchester, Athen, Paris, Helsinki, Prag, München, Hannover, Dresden, Bonn, Rostock, Kopenhagen, Bern, Madrid, Toronto, und viele mehr nur hin?

Vielleicht weil sie sich nach und nach vom individual Verkehr verabschiedet haben?
Es würde Lübeck gut tun, den Autoverkehr endlich aus der Stadt raus zu holen. Lübeck ist schließlich auch (noch) ein Weltkulturerbe.

Verwundert

schrieb am 07.06.2024 um 15.49 Uhr:
Streicht euch den Traum aus dem Kopf.
Woher soll das Geld kommen.
Lübeck muss doch schon dieses Jahr Millionen streichen. Das wird nie was.
Kücknitz und Travemünde wird nix. Wie soll die Bahn durch den Tunnel kommen?
Wenn dann wäre nur die Nutzung der DB Gleise als S-Bahn möglich

Tobias Möller

schrieb am 07.06.2024 um 16.29 Uhr:
"...Die Straßenbahn als echtes Null-Emissions-Verkehrsmittel stehe für Klimaschutz, Lebensqualität und barrierearme und sozialgerechte Mobilität..."

Ah ja.
Der Strom kommt ja schließlich aus der Steckdose, und nicht bei Dunkelheit und Windstille aus einen Kohlekraftwerk. Schon klar.

Sozialgerechte Mobilität. Das würde bedeuten, dass alle Verkehrsteilnehmer gleichstark gefördert werden müssten, oder es für niemanden eine finanzielle Förderung gibt.
Haben die ewiggestrigen Kommunisten wohl auch wieder nicht richtig nachgedacht.

Vielleicht sollte da mal mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden, was der REALPREIS einer Fahrkarte ist, und was der massiv steuergeldsubventionierte momentane Fahrkartenpreis ist.
Also einfach mal einen ÖPNV vorstellen, der ohne Subventionierung auskommen und kostendeckend arbeiten muss.
Da wäre dann die einfachste Fahrkarte vielleicht ab 90 Euro zu haben.

Kommunismus und Sozialismus funktionieren nur so lange, bis das Geld der produktiven Steuergeldeinnahmenerwirtschafter verprasst wurde.

Vitus

schrieb am 07.06.2024 um 16.45 Uhr:
Lustige Idee, aber nicht gerade innovativ. Die Stadt macht es schließlich seit Jahrzehnten vor. Man stellt beispielsweise ein paar Schilder in die Landschaft und behauptet anschließend, man hätte eine Fahrradstraße in der Innenstadt geschaffen, oder "verkehrsberuhigte Straßenbereiche". Sich die Welt so schön zu reden zu können, ohne vorherigen Genuss von Alkohol ist wirklich beneidenswert

J.Gerwien

schrieb am 07.06.2024 um 17.44 Uhr:
Ach ja, wieder ein Vorstoß von Tagträumern. Seid doch mal ehrlich, so viel Aufkommen an Beförderungsfällen gibt es hier doch gar nicht und die werden auch nicht aus dem Boden sprießen. Die Tram ist (leider) unflexibel hoch fünf, jede Gleisblockade legt alles lahm. In der Altstadt wird jeder jammern, wenn da ein Fahrdraht kommt.

Seien wir mal ehrlich, da hat eine Regio-S-Bahn mehr Chancen. Eigener Gleiskörper und außen rum. Da kann weniger passieren. Und für den Busverkehr müssen halt die richtigen Mittel bereit gestellt werden - einmal finanziell und einmal personell. Denn das, was uns grad als Lübeck-Takt gepriesen wird, ist für 80% der Lübecker eine Veralberung vor dem Herrn… das macht aber ne Stadtbahn auch nicht wett, schon gar nicht bei den immensen Kosten, die sie erzeugt.

Misanthrop

schrieb am 07.06.2024 um 18.06 Uhr:
@Tobias Möller

Ganz viel Ahnung für so wenig Wissen.

Wer immer noch glaubt, dass Solar- und Windenergie so funktionieren, glaubt auch, dass Kühe fliegen können.

Martin

schrieb am 07.06.2024 um 19.24 Uhr:
Außerhalb der engen Straßen der Altstadtinsel könnte das direkt Sinn machen.

Sinnvoller wäre es allerdings erst einmal die alten Bahnhöfe z.B. in Schlutup zu reaktivieren und ein zwei weitere auf den vorhandenen Strecken zu schaffen. Die Schienen sind ja noch da. Das muss auch nicht die DB machen. Da kann man auch mit privaten Bahnen regelmäßigen Verkehr aufrechterhalten. Es müssen sich nur private Investoren finden, die das realisieren. Für DB und Stadtwerke mobil sind diese Strecken wahrscheinlich nicht rentabel genug.

Stefan Höfel

schrieb am 07.06.2024 um 20.16 Uhr:
@Misanthrop:

„…Es würde Lübeck gut tun, den Autoverkehr endlich aus der Stadt raus zu holen. Lübeck ist schließlich auch (noch) ein Weltkulturerbe…“

Und zu einem Weltkulturerbe passen Schienen, Oberleitungen und die dann notwendigen Masten „natürlich“ sehr gut, oder wie? Bevor in Lübeck eine „Straßenbahn“ wiederkommt, muss das System Bus erst einmal ausgereizt werden. Das wird es momentan nämlich noch lange nicht!
Außerdem müssen erst einmal weitere Bahnhaltepunkte an vorhandenen Strecken kommen, z. B. Genin.

VG SH

Musikfreund aus Lübeck

schrieb am 07.06.2024 um 20.37 Uhr:
Nun, die alte Lübecker Tram hat für mich eine eher romantische Bedeutung..... meine Eltern haben sich in der Tram nach Bad Schwartau kennengelernt......

Das war kurz vor der Stilllegung. Die damaligen wagen waren alt und ausgeleiert,das Schienennetz ziemlich marode. Eine Instandsetzung war damals schon zu teuer. Was für einen Neubau heute auch gelten würde, dieser wäre, genau wie der Betrieb, nur mit massiven Subventionen möglich

Fiete Senfgeber

schrieb am 07.06.2024 um 20.55 Uhr:
Mindestens 500 Millionen Euro für ein System, das völlig neu gebaut werden müsste, in Straẞenquerschnitten der Altstadt, für Fahrgastzahlen, die es nicht geben wird. Mag sein, dass die Kapazität einer Stadtbahn größer ist, aber die Busse sind ja schon jetzt nicht voll… Das wäre leider eine sehr langwierige und teure Geldverschwendung. Macht von dem Geld lieber endlich den Bus-Takt dichter und endlich Linien nach Ratekau/Pansdorf oder Badendorf. Im Übrigen steht ja wohl nun die Bäderbahn für einen anderen Betreiber nach 2029 offen!? Also dort investieren!
Regiobahn für Lübeck!

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