Nach 152 Jahren: Travemündes Seetempel ist wieder da!

Lübeck - Travemünde: Kein heute lebender Mensch hat den kleinen Pavillon je gesehen und doch kennen viele seinen Namen. Denn der „Seetempel“, der bei einer Sturmflut im Jahre 1872 zerstört wurde, fand Eingang in die Weltliteratur. Nun ist der berühmte Unterstand mit Seeblick gut 152 Jahre nach seiner Zerstörung wieder an seinen Platz hoch oben am Brodtener Steilufer zurückgekehrt.

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Wie der „Seetempel“ einmal ausgesehen hat, weiß man nur von einer Zeichnung, die um 1860 erschienen ist. Man sieht darauf einen reetgedeckten hölzernen Pavillon, hoch oben am Kliff des Brodtener Steilufers. Ein paar Menschen stehen davor und schauen hinab aufs Meer, wo ein Schiff mit rauchenden Schloten vorbeizieht. Errichtet wurde das Gebäude im Jahre 1829 und zerstört 1872.

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Viel mehr als ein besonders schön gelegener Unterstand mit einem malerischen Namen war der „Seetempel“ wohl nicht. Aber das Gebäude fand Erwähnung in Thomas Manns „Buddenbrooks“. Darin kann man lesen, wie Tony und Morten einen Spaziergang hinauf aufs Brodtener Steilufer machen und dabei den Witterungsschutz aufsuchen.

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Vor mehr als zehn Jahren hatte der Heimatverein Travemünde mit seinem Seebadmuseum das „Projekt Seetempel“ initiiert und machte am Dienstag auch die Vollendung des Projektes auf der Facebook-Seite des Travemünder Museums öffentlich. Man sei schon gespannt auf die „offizielle Präsentation seitens der Stiftung Lübecker Museen“, heißt es in der Veröffentlichung des Seebadmuseums. Es handle sich dabei um einen Nachbau der Jugendbauhütte aus dem Jahre 2012, der damals als Messestand konstruiert worden war. Nun sei der Bau von der Jugendbauhütte soweit „ertüchtigt“ worden, dass er im Freien stehen könne. Jetzt wurde der neue „Seetempel“ am Brodtener Steilufer gleich neben dem Seebestattungs-Gedenkstein aufgebaut.

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Diesen Ausblick genießen Spaziergänger vom neuen „Seetempel“ aus.

Der Bau liegt ein wenig zurückgesetzt, so dass ihn nicht gleich das Schicksal seines Vorgängers ereilen wird. Im Inneren gibt es eine Holzbank, auf der man ausruhen und den Blick auf die Ostsee genießen kann. Noch riecht es nach neuem Holz und das Gebäude ist ohne Patina. Der Vorgänger sah, jedenfalls in der Literatur, etwas anders aus: Thomas Mann beschrieb ihn dahingehend, dass die Innenseiten „mit Inschriften, Initialen, Herzen, Gedichten bedeckt waren“.

Was lange währt: Seit Anfang Juni 2024 hat Travemünde seinen „Seetempel“ zurück, einen historischen Unterstand mit spektakulärem Ausblick und einer kleinen Rolle in der Weltliteratur. Fotos: Helge Normann

Was lange währt: Seit Anfang Juni 2024 hat Travemünde seinen „Seetempel“ zurück, einen historischen Unterstand mit spektakulärem Ausblick und einer kleinen Rolle in der Weltliteratur. Fotos: Helge Normann


Text-Nummer: 166441   Autor: Helge Normann   vom 11.06.2024 um 22.17 Uhr

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